Zeitfenster

Und wieder, wieder liegt sie in den Wehen,
wie sie auch gestern schon im Kindbett lag.
Die Kontraktionen kommen Schlag auf Schlag;
bald ist er da, der nagelneue Tag.
Und kaum geboren, muss er wieder gehen.

Ihm ist vergönnt, das Morgenrot zu sehen,
vielleicht ein Blau, das durch die Wolken bricht,
das helle Sonnenlicht, vielleicht auch nicht,
womöglich nimmt ihm Nebel jede Sicht,
derweil die Zeiger ihre Runden drehen.

Zwölf Stunden hat er, dann kommt Mutter Nacht,
umarmt ihn, um ihn schließlich zu verzehren.
Sie frisst ihr Kind; sie muss sich ja ernähren,
um in der Früh ein neues zu gebären.
So war der Kreis von Anbeginn gedacht.

Sabine Römmer, Dezember 2009